Nitrox – Wahrheit und Dichtung

nitrox

Nitrox ?

Ein an Tauchertischen oft diskutiertes Thema ist der Einsatz von Nitrox beim Tauchen. Einige Taucher lehnen es ab (ohne es je selbst ausprobiert zu haben), halten es für überflüssig, einige Basenbetreiber (nämlich die,, die kein Nitrox anbieten 🙂 ) behaupten sogar es wäre gefährlich. Es wird daher Zeit, zwischen Dichtung und Wahrheit zu unterscheiden.

…es geht auch ohne…

Die ersten 12 Jahre meiner Tauchkarriere habe ich nur mit Pressluft getaucht. Der Gedanke , mit der normalen Atemluft zu experimentieren, war mir nicht angenehm. Ich dachte: „Als Taucher geht man sowieso schon Risiken ein, die man nicht noch künstlich weiter steigern muss“. Beim Kauf von diversen Tauchcomputern war die Nitroxfähigkeit daher für mich kein Argument und die fehlende Nitroxversorgung an meiner Stamm-Basis störte mich nicht.

Eines schönen Tages beschlossen mein Buddy Lars und ich zusammen eine Woche Tauchurlaub zu machen. Ohne Familie, reiner Männerurlaub 🙂 und „all you can dive„. Als Ziel war Lanzarote im Atlantik ausgeguckt und wir wollten Tauchen soviel es eben in einer Woche ging. Mehrere Tauchgänge pro Tag eine Woche lang gehen mit Pressluft nur, wenn man entweder nicht tief taucht, kurze Nullzeiten macht oder sehr risikofreudig ist. Dazu kommt, dass man das Abendprogramm dann eigentlich vergessen kann, da ich nach drei Tauchgängen mit Pressluft immer todmüde ins Bett falle.

Nitrox_Huey

Nach kurzer Überlegung entschlossen wir uns daher, einen Nitroxkurs zu absolvieren und im Urlaub testweise mal mit Nitrox zu tauchen. SSI bietet den ersten Nitroxkurs (bis 40% Nitrox) als eintägigen Kurs an. Man liest zur Vorbereitung ein Buch, muss ein paar Fragebögen ausfüllen und den ca. 3 stündigen Kurs absolvieren. Das war’s. Alle Fragen rund um Nitrox waren geklärt und mit viel theoretischem Wissen starteten wir nach Lanzarote.

Auf Lanzarote tauchten wir bereits am ersten Tag mit Nitrox 32 in der Flasche. Gespannt machten wir die ersten Atemzüge und merkten keinen Unterschied. Im Nu faszinierte uns die vielfältige Unterwasserlandschaft, so dass wir nicht mehr an Nitrox dachten. Unsere Tauchcomputer waren auf Nitrox eingestellt und der Rest ging wie immer.

…aber besser mit!

Bei meinen gut 200 absolvierten Tauchgängen war ich schon einige Male an meine persönliche Tiefengrenze herangekommen. Ab 34m Tiefe fühlte ich mich immer etwas beschwipst und größere Tiefen steigerten mein Unwohlsein. Darum hatte ich mir angewöhnt, mich nur kurz in solchen Tiefen aufzuhalten.
Beim zweiten Tauchgang mit Nitrox ging plötzlich der Tiefenalarm an meinem Tauchcomputer an – wir waren auf 34m. Da es mir unverändert gut ging hatte ich nicht realisiert, dass wir so tief waren. Unser Tauchguide auf Lanzarote (ein hoch brevetierter Tech-Tauchlehrer) klärte uns auf: die übliche Stickstoff-Narkose setzt durch die Verwendung von mehr Sauerstoff in der Atemluft natürlich auch später ein.

Wir machten in den nächsten Tagen mehrere Tauchgänge in Tiefen deutlich jenseits der 30m und es ging mir immer gut. Unsere Restsättigungszeiten blieben über die ganze Woche bei ca. 26 Stunden konstant – versucht das mal mit Pressluft!

Unser Abendprogramm fiel übrigens entgegen unserer Erwartung auch nicht wegen Müdigkeit aus – natürlich  sind mehrere Tauchgänge anstrengend aber die narkotisierende Wirkung des Stickstoffs fehlt so stark, dass wir bewusst wahrgenommen haben, wie fit wir uns abends noch fühlten.

Wir fanden Nitrox toll!

In den nächsten Folgen lest Ihr, wie es weitergeht, was man noch über Nitrox wissen muss und ob Nitrox wirklich gefährlich ist.

1 Kommentar

    • huey on 12. März 2014 at 19:31
      Author

    Schöner Bericht. Ich hätte nur ein paar Anmerkungen dazu.
    Du schreibst:” Mehrere Tauchgänge pro Tag eine Woche lang gehen mit Pressluft nur, wenn man entweder nicht tief taucht, kurze Nullzeiten macht oder sehr risikofreudig ist.”
    Der Satz ist nicht völlig falsch, enthält aber ein paar Halbweisheiten. Mehrere Tauchgänge pro Tag … mit Pressluft sind sicher möglich, wenn man auf sein Tauchprofil achtet (u.a. kein JoJo, Aufstiegsgeschwindigkeiten), ausreichend lange OFP einhält, Deepstops macht und entsprechende Deko einhält. Gerade wenn man tief taucht und eben nicht risikofreudig ist. Witzigerweise kommt eine nennenswerte Aufsättigung nicht mit der Tiefe, sondern mit der Dauer zustande. Und eine wirksame Entsättigung hängt wesenlich von den Aufstieggeschwindigkeiten und !Deepstops! ab. Zum Hintergrund: ich unterrichte auch Nitrox und Advanced Nitrox und tauche es auch selber. Aber nur da, wo die Vorteile überwiegen und die Risiken von Nitrox eher klein sind..

    II) Du schreibst: “da ich nach drei Tauchgängen mit Pressluft immer todmüde ins Bett falle.” Das kann eher ein Hinweis auf andere Probleme oder falsches Tauchverhalten sein. Ich kenne das auch, aber nur wenn ich Mist gebaut habe bzw. wenn irgendwas nicht stimmte. Ansonsten komme ich !immer!, auch bei drei oder vier TG frisch und ausgeruht aus dem Wasser. Müdigkeit sollte ein Hinweis geben, sein Tauchverhalten zu ändern. Das kann, wenn alles andere nicht greift, auch Nitrox sein. Ist gewissermaßen der Quick-n-dirty-Fix. Und mein Abendpogramm mit Luft fällt auch nicht aus.

    III) Du schreibst: “Unsere Restsättigungszeiten blieben über die ganze Woche bei ca. 26 Stunden konstant – versucht das mal mit Pressluft!”

    Warum sollte ich das versuchen? 26 Stunden ist nicht wenig aber auch nicht viel, ich komme gerade von netto 2 Wochen Phillipinen zurück, Bei 3 TG/Tag/Luft hatte ich auch nicht mehr. Die Restsättigung hängt stark auch vom Profilverlauf ab und nicht nur von der Tiefe. Und was ist schlecht an 36h Restsättigung? Im Gegenteil…spart das 3. Bier am Abend… Das ist nicht an und für sich ungesund. Ausser ich will zeitoptimiert fliegen.

    Warum ich das schreibe?
    Weil es jenseits der Mainstream-Recreational-Ausbildung noch detailierter zugehen kann.

    Liebe Grüße

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