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Mai 03

DUI – Trockenanzüge testen in der Wuppertalsperre – oder „irgendwann kriegt jeder Einen“

196 Tauchgänge habe ich jetzt nun schon in Nasstauchanzügen, Halbtrockenen und Fast-Ganz-Trockenen hinter mich gebracht, wobei ich sagen muss, dass mein Mares Isotherm von 1999 mich nicht nur fast, sondern die meiste Zeit ganz trocken gehalten hat, was dann auch in heimischen Gewässern bei 8 Grad Wassertemperatur kein Problem war. Selbst nach 45 Minuten war mir darin noch nicht kalt. Leider hat dieser die beste Zeit hinter sich, so dass mir keine andere Wahl blieb, als diesen gegen einen neuen Anzug auszutauschen. Die Wahl fiel auch jetzt wieder auf einen neuen Fast-Ganz-Trockenen, den ich dann auch mit nach Lanzarote hatte. Ich bin bei keinem einzigen Tauchgang auch nur annähernd trocken geblieben. Und auch die Tauchgänge in heimischen Gewässern waren damit kein Vergnügen. Der Grund lag in der zu weiten Halsmanschette, die immer wieder Massen von Wasser schwallartig in den Anzug ließ, wenn ich den Kopf nach vorne oder hinten bewegte. Inzwischen habe ich die Halsmanschette um 6 cm enger machen lassen. Während der Anzug beim Schneider war bin ich dann noch mal mit meinem Mares getaucht, dieses Mal allerdings mit Unterzieherweste, was bei 4 Grad einigermaßen erträglich war. Der erste Tauchgang mit meinem neuen Anzug nach dem Besuch beim Schneider steht noch auslars_uwe
Die Trockentaucher habe ich bisher immer belächelt. Wer beim Tauchen kein Wasser an den Körper bekommt, macht schließlich nur die halbe Erfahrung und ist kein echter Kerl. Schließlich dusche ich nach dem Sport ja auch immer eiskalt. Und die Frage „Du gehst im halbtrockenen bei 4 Grad tauchen“, die ich häufiger von Trockentauchern hörte, hielt ich immer für Bekundungen von Respekt  bzw. Bewunderung – seit heute weiss ich es besser.

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Lars im DUI Test-Trocki

Um eines habe ich die Trockentaucher dann aber doch beneidet. Während ich mich im Februar bei recht bescheidenen Außentemperaturen an der Sorpe bis auf die Badehose auszog um danach in meinen wohltemperierten Halbtrockenen zu schlüpfen – er hatte sich inzwischen der Außentemperatur angeglichen, stiegen alle anderen, so wie sie waren, einfach in ihre Trockis. Nach dem Tauchgang war es dann noch unangenehmer, weil auch noch Wind ging. Da ich im Anzug nass geworden bin, wollte ich mich so nicht in den Wind stellen und habe mich dann in den Duschräumen des Zeltplatzes umgezogen. Als ich dann wieder am Auto war um mein Gerödel abzubauen waren alle anderen natürlich schon fertig

Heute kam dann alles anders. Der Tauchladen unseres Vertrauens veranstaltete ein Testevent für DUI Trockentauchanzüge nebst dicken DUI Unterziehern. Dafür habe ich mich vor ein paar Wochen auf die Liste setzen lassen, damit auch ein Anzug in meiner Größe zur Verfügung gestellt wird. Um 10 Uhr trafen wir uns dann an der Wuppertalsperre. Nach kurzer Erklärung des Tagesablaufs ging es dann ans Anprobieren der Hals- und Armmanschetten, die anschließend noch an die Anzüge montiert werden mussten. Es kam, wie es kommen musste. Alle mitgelieferten Halsmanschetten waren zu weit für meinen Hals. Glücklicherweise hatte noch ein anderer Taucher eine Ersatzmanschette in seinem Wagen, die mir passte. Nachdem diese Hürde genommen war und sowohl Unterzieher, als auch Anzug passten als wären sie extra für mich angefertigt worden, wurden dann auch die Manschetten montiert, was relativ schnell vonstatten ging.

Es gab noch eine kurze Einweisung in die Handhabung der Ventile und die Klärung der benötigten Bleimenge. Normalerweise tauche ich mit 6 kg Blei, wenn ich nur mit FGT unterwegs bin, oder mit 7, wenn ich die Unterziehweste dabei habe. Da mir sowohl zu 12 bis 14 kg, als auch zu 8 bis 9 kg geraten wurde und Huey auch der Meinung war, dass 3 kg mehr als sonst eigentlich reichen sollten, habe ich mich für 9 kg entschieden.

lars_DuiWir machten uns fertig und gingen ins Wasser, nachdem alles gecheckt war. Obwohl ich den Anzug und das Jacket komplett entleert hatte, ging das Abtauchen nicht so einfach wie sonst, sondern nur kopfüber mit Flossenschlag, was mir eigentlich schon zu denken geben sollte. Über dem Grund habe ich dann erst mal ein bisschen Luft in den Anzug gelassen und sofort gemerkt, wie das Tragegefühl angenehmer und der Anzug wärmer wurde. Gleichzeitig kam dann aber auch der erste Effekt, den ich auch schon erwartet hatte – Luft in den Füsslingen. Da ich darauf vorbereitet war, hatte ich keine Probleme, die Luft wieder aus den Füsslingen heraus zu bekommen. Ein wenig mehr Luft in den Anzug bringt noch ein wenig mehr Beweglichkeit und noch mehr Wärme, Leider aber auch mehr Auftrieb. Nachdem ich dann ein paar Minuten mal Luft in den Anzug und mal rausgelassen hatte und schon ein paar Bar aus meiner Flasche verbraucht waren, war der Auftrieb kaum noch zu bremsen. Das Ergebnis: Ich habe meinem Buddy nicht rechtzeitig signalisiert, dass es mich nach oben zieht. Somit konnte er mir auch nicht mehr helfen und ich nahm den Aufzug nach oben. Zum Glück waren wir erst 15 Minuten im Wasser und nicht allzu tief. Den Aufstieg konnte ich durch beherztes Ausatmen noch etwas abbremsen. Wir durften dann von der Seemitte zurück paddeln. Am Slipweg lagen in weiser Voraussicht schon einige Bleistücke, so dass wir das Wasser noch nicht mal verlassen mussten. Ich habe mir 2 kg davon genommen, in die Hosentaschen gesteckt und wir gingen den nächsten Versuch an. Dieses Mal klappte das Abtauchen dann wie gewohnt und auch die Tarierung war in Ordnung. Ich hatte ein gutes Gefühl , so dass wir auch tiefer gehen konnten. Hin und wieder kam mal Luft in die Füsslinge, die ich aber problemlos wieder herausbekam. Ich versuchte mich noch an einer Vorwärtsrolle, die auch problemlos gelang und so konnten wir einen absolut entspannten Tauchgang machen. Am Ende des Tauchgangs konnte ich mich auch noch in 1,4 m Tiefe problemlos halten und, nach inzwischen 53 Minuten war mir immer noch wohlig warm im Anzug. Nur die Füße waren etwas kälter geworden.

Eigentlich hatten wir nur einen Tauchgang geplant. Da die Sicht aber heute für die Wuppertalsperre extrem gut war und es noch gute Seelen gibt, die einem mit einer neuen Flasche aushelfen – vielen Dank noch einmal dafür – beschlossen wir dann doch noch einen zweiten Tauchgang zu machen. Ich bekam noch ein paar Fourth Element Socken geliehen, die ich mir über ein paar Ski-Socken zog und wir machten uns nach einer ausgiebigen Oberflächenpause fertig zum nächsten Tauchgang. Dieses Mal nahm ich direkt 11 kg Blei mit. Der zweite Tauchgang war noch 2 Meter tiefer als der erste und nach 55 Minuten entspanntem Tauchens ohne Anzeichen von Kälte kamen wir dann wieder am Slipweg an. Selbst die Füße sind dieses Mal warm geblieben. Mein Computer zeigte eine Wassertemperatur von 6 Grad, der meines Buddies 9 Grad an. Auch wenn wir uns auf 8 Grad einigen, hatte ich noch nie zuvor so warme 8 Grad beim Tauchen.

Mein Fazit des heutigen Tages: Auf Gefühle sollte man hören. Hätte ich sofort beim ersten Abtauchen richtig reagiert und mir direkt Blei nachgeholt, wäre mir der unfreiwillige Aufstieg und die Paddelaktion danach erspart geblieben. Einen Trockentauchkurs benötigt man nicht unbedingt, wenn man sich vorher ein wenig mit der Materie vertraut macht und schon tauchen kann – eventuell würde ich ihn aber trotzdem machen, weil ich die Hoffnung hätte, danach nicht mehr mit 5 kg mehr Blei unterwegs zu sein, als mit meinem FGT. Aber vielleicht kommt das ja auch mit der Routine. Da ich Rückenprobleme habe ist jedes Kilo weniger Gold wert. Einen erhöhten Luftverbrauch hatte ich durch das Tauchen im Trocki, trotz der 5 kg mehr an Blei gegenüber meinen bisherigen Tauchgängen nicht. Ich führe das mal darauf zurück, dass mein Körper nicht so sehr wie sonst damit beschäftigt war, die Kerntemperatur zu halten. Und, ist die Kerntemperatur OK, scheinen auch die Hände und Füße wärmer zu bleiben. Jedenfalls waren meine Hände wärmer als sonst, obwohl ich dieselben Handschuhe getragen habe, wie sonst auch. Trockentaucher sind vielleicht Weicheier, haben aber definitiv mehr vom Tauchgang im kalten Wasser. Und das lästige Aus- und Umziehen entfällt, was der Gesundheit zuträglich ist und uns schneller zum Deko-Bier kommen lässt. Am liebsten würde ich jetzt noch andere Modelle zum Vergleich testen. Vielleicht gibt es ja in der Nähe mal ein Testevent eines anderen Herstellers.

Aber eins bleibt gewiss: Ich dusche auch zukünftig am Ende noch kalt nach dem Sport.  🙂

 

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