Nov 08

Tauchen und Angst

 

angst

Jeder erwachsene Taucher der sich gedanklich mit seinem Sport beschäftigt,  hat schon Situationen unterwasser erlebt, bei denen man sich plötzlich nicht mehr wohl fühlt. Ich habe öfters beobachtet, dass Kinder und Jugendliche oft anfangs völlig angstfrei tauchen weil sie sich noch nicht mit den Risiken auseinandersetzen. Erst mit zunehmendem Alter und besserer Tauchausbildung steigt die Wahrnehmung der Risiken.
Angstgefühle haben verschiedene Auslöser wie z.B.

  • ein Buddy zu dem man kein Vertrauen hat
  • ein Buddy der zuviel Abstand hält oder nicht regelmäßig herüberschaut,
  • ein zu schnelles Abtauchen,
  • eine zu tiefe Tauchtiefe,
  • starke Anstrengung z.B. beim Anschwimmen gegen eine Strömung,
  • ein Tauchplatz an dem man sich nicht wohlfühlt,
  • Dunkelheit oder wenige Sicht,
  • eine deutliche Verringerung der Wassertemperatur nach einer Sprungschicht,
  • freies Schweben in tiefem Wasser , oder
  • das Wissen um mangelnde eigene Fähigkeiten (z.B. Maske ausblasen).

 

Instinkte

Aus dem anfänglichen Unwohlfühlen kann schnell Angst und Panik werden, wenn man die ersten Zeichen ignoriert und keine Gegenmaßnahmen einleitet. Auf Angst und Panik  reagieren wir fast immer instinktiv. Da diese angeborenen Instinkte für unser normales Leben an Land programmiert sind, geht ein instinktives Handeln unterwasser fast immer schief.

Stellen Sie sich vor sie sind in 30m Tiefe und haben ein technisches Problem. Ihr Instinkt sagt „raus hier, auftauchen“, wenn jetzt nicht die Vernunft siegt, ist ein Tauchunfall vorprogrammiert.

 

Was tun wenn die Angst kommt?

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Zeichen: etwas stimmt nicht Quelle: wikipedia

Wenn man merkt das man sich unwohl fühlt, mit einer Situation unterwasser überfordert ist oder sie einfach so nicht möchte, sollte man auf jeden Fall seinem Buddy ein deutliches Zeichen („bei mir stimmt was nicht“)geben.

In Fällen in denen man kurz vor einer Panikattacke steht, etwa dem Gefühl zu wenig Luft zu bekommen oder einfach Angst empfindet, hilft es oft  den Buddy  an die Hand zu nehmen. Wenn man dann gemeinsam etwas höher geht ist der Spuk oft ganz schnell wieder vorbei. Oft hilft es auch, sich einfach mit anderen Dingen „abzulenken“, wie z.B. mit dem Betrachten von Meeresbewohnern oder dem Fotografieren.

Erfahrenere Taucher sollten versuchen sich die Situation, in der man sich gerade befindet, klar zu machen. Ich kann mich gut an meinen ersten Tauchgang in Deutschland erinnern: ich hatte über 200 Tauchgänge in klaren, hellen Gewässern im Logbuch bevor ich das erste Mal in Deutschland in einer Talsperre im dunklen, trüben und kaltem Wasser Tauchen war – auf zehn Metern in völliger Dunkelheit hatte ich Angst und konnte kaum meine Tauchlampe ruhig halten. In dieser Situation habe ich mir bewusst gemacht, dass wir gerade mal 15m tief waren, dass meine Ausrüstung völlig intakt war und ich schon etliche viel tiefere Tauchgänge absolviert hatte. Trotzdem war es mental schwierig und anstrengend für mich, die Situation in den Griff zu bekommen. Ich konnte meine Anspannung durch bewusstes Nachdenken über die Situation senken und nach einigen Minuten nahezu entspannt weiter tauchen.

Genau aus solchen Erfahrungen entwickelt sich Erfahrung und man reift als Taucher insgesamt. Wichtig ist es aus meiner Sicht, sich bewusst zu machen dass man Angst hat, zu analysieren was der Grund dafür ist und diesen Grund dann aktiv durch Training zu beseitigen.

Ich kenne viele Freizeit- und Urlaubstaucher, die z.B. vor bestimmten Situation wie z.B. dem Ausblasen der Maske Angst haben. Solche Ängste lassen sich durch gezieltes Training beseitigen indem man das Ausblasen der Maske wiederholt übt, bis die Übung ohne Stress abläuft.

Ein weiteres Szenario, bei dem sich viele Tauchanfänger unwohl fühlen, ist das Schweben in tiefem Wasser.  Die fehlende Möglichkeit sich irgendwo festhalten zu kömnen, führt bei einigen Tauchern zu mentalem Stress. Auch hier hilft es meist, den Tauchabstand zwischen den Tauchpartnern zu verringern.

Da „Ängste beim Tauchen“ ein Thema ist über das nicht alle Taucher gerne offen sprechen, bin ich auf Eure Kommentare gespannt. Bitte gebt gerne Eure Erfahrungen und Meinungen zu diesem Thema weiter.

6 Kommentare

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    • Michael on 16. November 2015 at 7:50

    Vorsichtig mit dem Angst Begriff.

    Angst ist erst mal gut! Angst hat uns über Jahrtausende das Leben gerettet. Angst zu haben ist nichts negatives.
    Angst gibt uns ein erstes Alarmsignal, das man sich evtl. in Gefahr begibt.

    Das das Unterwasser noch eine andere Bedeutung hat, weil ich jetzt nicht sofort meinen Fluchtinstinkt einschalten darf ist klar.

    Ich will hier nur sagen: Der Begriff Angst ist nichts negatives.

      • huey on 16. November 2015 at 20:20
        Author

      Hallo Michael! Ich stimme Dir zu, Angst ist nichts grundsätzlich Schlechtes. Das habe ich aber auch nicht geschrieben. Wichtig ist die Reflexe, die für Situationen an Land „programmiert“ sind, unterwassenzu kontrollieren.
      Herzliche Grüße, huey

    • Urs on 10. November 2015 at 17:55

    Das Tauchen ist eine der schönsten Aktivitäten für mich und nach gut 200 Tauchgängen und mit dem Rescue Zertifikat betrachte ich mich an den meisten Urlaubsorten eigentlich als recht „erfahren“. Trotzdem kommt es immer wieder mal Situationen, die einem zu denken geben. Kleines Beispiel:

    Wir sind auf etwa 25m und schweben etwa einen Meter über Grund. Ich blicke zurück, bewege mich irgendwie unglücklich und – schwupps – verliere meine Gewichte (die nur an einem Standard-Belt um meine Hüfte gehangen hatten). Glücklicherweise befinden wir uns nur knapp über dem Grund und ich reagiere rasch genug, entlüfte das BC und paddle dem Gurt hinterher. Das Wieder-Anlegen des Gurtes ist nachher kein Problem mehr, zudem hilft das Buddy-Paar hinter mir sofort. Alles gut gelaufen.

    Aber was wäre, wenn ich diesen Gurt nicht so schnell wieder hätte greifen können, im Blauen oder nur schon über weiteren 10-20m Wasser? Ich habe dieses Szenario immer wieder in meinem Kopf durchgespielt und versucht, mir eine „Best Practice“ zurechtzulegen, wie auf so etwas zu reagieren wäre.

    Hier geht es mir nicht mal so sehr um die „richtige Lösung“ als viel mehr darum, dass es doch unzählige solcher Situationen gibt, bei denen man blitzschnell „richtig“ reagieren muss. Einiges davon ist antrainiert, anderes hat man sich im Laufe der Zeit wie oben beschrieben zurechtgelegt, aber da bleiben doch immer Eventualitäten, die man nicht bedacht hat. Ich denke, das Training sollte durch alle Level hinweg viel mehr auf solche Situationen eingehen und die Taucher sich damit mental darauf vorbereiten lassen.

      • huey on 16. November 2015 at 20:27
        Author

      Hallo Urs, damit man im Fall der Fälle auch „blitzschnell“ reagieren kann ist es wichtig, die Fälle überwasser im Kopf durchzuspielen.

      Wenn Du Dir die DIR Konfiguration anschaust wirst Du sehen, dass viele Situationen die unterwasser passieren können, vorgedacht sind. Man sollte vor einem Tauchgang im Kopf durchspielen was passieren kann wie z.B kein Gas, kein Licht, keine Orientierung, Strömung etc. und sich dann für jeden dieser Fälle Lösungen überlegen.
      Wenn z.B. der Hauptatemregler abbläst ist die Musterlösung das Zudrehen des Ventils und das Weiteratmen auf dem zweiten Automat. Daher muss man, wenn dieser Fall eintritt, nicht mehr überlegen sondern einfach nur die Musterlösung anwenden.
      Ich hoffe diese Überlegungen helfen Dir weiter.
      Herzliche Grüße, Huey

    • Christian Lieberenz on 8. November 2015 at 22:03

    Hallo.
    Das ist auch für mich ein sehr spannendes Thema. Ich hatte im Sundhäuser See von hier auf jetzt in 27m Tiefe eine Angstattacke. Mein Buddy und ich sind dann sofort auf 17m aufgestiegen und langsam auftauchend zum Einstieg zurück. Auf wenn wir den TG nach allen Regeln der Kunst beendet haben, war ich danach fix und fertig. Leider war es der letzte Tauchgang am Sonntag, so dass wir danach gleich nach Hause fahren mussten.
    Jetzt habe ich das Problem, dass ich mich unter Wasser recht schnell unwohl fühle und den ganzen TG damit kämpfe, ihn nicht abzubrechen. Manchmal habe ich schon dieses ungute Gefühl, bevor ich überhaupt ins Wasser gehe und schiebe beim Abtauchen Probleme beim Druckausgleich vor, um schnell den Tauchgang abbrechen zu können. Unter Wasser vermeide ich es, auf meinen Tiefenmesser zu gucken, da ich Angst habe, Angst zu bekommen, wenn dort 17 oder 25 oder sonstwas an Tiefenmetern angezeigt werden. Das Hobby Tauchen aufzugeben, ist aber auch keine Alternative. Dafür hat es mir vor der ersten Angstattacke zu viel Spass gemacht.
    Dieses Wochenende habe ich ein Seminar „Mentales Training beim Tauchen“ besucht. Ich hoffe, dass ich es damit wieder in den Griff bekomme und wieder der angstfreie Taucher werde, der ich früher einmal war.

    Viele Grüße,
    Christian

      • huey on 8. November 2015 at 22:32
        Author

      Hallo Christian,
      vielen Dank für Deinen offenen Beitrag. Das wichtigste ist jetzt für Dich, Dir darüber klarzuwerden wovor Du Angst hast. Dann kannst Du diese Ängste durch gezielte Massnahmen abbauen. Mache Dir mal klar dass Tiefe kein Wert an sich ist. Es geht beim Tauchen ja nicht darum irgenwelche Zahlen auf dem Computer stehen zu haben sondern Spass zu haben. Ich habe auch schon schöne 6m Tauchgänge gemacht. Ich tauche viel in NRW, wenn Du bei mir in der Nähe bist, können wir gerne auch mal gemeinsam tauchen gehen. Du erreichst mich unter huey (at) lostplacediver.de

      Herzliche Grüße
      Huey

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