GUE Fundamentals – Erfahrungsbericht (2)

GUE Kurstag 1

Nachdem ich meine Ausrüstungsliste gepackt und kontrolliert hatte, machte ich mich am frühen Ostersonntag auf dem Weg zum ersten Kurstag in Köln. Die Zeitumstellung hatte meine ohnehin etwas unruhige Nacht noch etwas weiter verkürzt. Egal, ich hatte es mir ja selber ausgesucht 🙂

Der Kursplan sah grob wie folgt aus:

  1. Tag:  Theorie, Theorie, Theorie, Check und Einstellen der Ausrüstung (Backplate usw.)
  2. Tag: Theorie, Schwimmtest (275m und 15m Streckentauchen), Ausbildungstauchgänge mit Übungen im Schwimmbad, schriftl. Prüfung
  3. Tag: Drill-Übungen und Freiwassertauchgänge mit zahlreichen Übungen
  4. Tag: Drill-Übungen und Freiwassertauchgänge mit zahlreichen Übungen, Kursabschluss

und los gehts

In Köln angekommen erwartete Sven uns bereits. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde fragte Sven nach unseren Erwartungen an den Kurs und wie wir unserer Fähigkeiten selber einschätzen.  Ich antwortete mutig dass „meine Tarierung und mein Trimm“ gut sind und ich offen sei, neue Dinge zu lernen…

gue_theoriePer Beamer führte uns Sven nun durch die zahlreichen Theoriemodule. Erläuterungen, Fragen, Übungen… Ich habe in meinem Taucherleben schon etliche Kurse bei CMAS, PADI und SSI gemacht, die Inhalte des GUE Fundamentals Kurses sind in Umfang und Detailtiefe eine andere Welt.

Zunächst erläuterte Sven GUE, die Philosophie, das Kursprogramm, die Kursstruktur und die Leistungsanforderungen. Anschliessend wurden die Grundlagen von Tarierung, Trimm und Balance erläutert und die unterschiedlichen Flossentechniken besprochen. Neben der Präsentation haben wir uns auch Filmsequenzen zur Verdeutlichung einzelner Fertigkeiten angeschaut.

Sven ermunterte uns stets Fragen zu stellen, wovon wir reichlich Gebrauch machten. Weiter ging es mit der richtigen Bleimenge. Ich war fest überzeugt, dass meine Bleimenge bereits absolut richtig war. Wir lernten weiter, wie lebenswichtig ein „balanced rig“ ist und wie man es erreicht.

Im Anschluss erläuterte Sven anschaulich die optimale Konfiguration. An keiner Stelle bekamen wir zu hören „das machen wir eben so“ sondern alle Fragen und Anmerkungen wurden detailliert erläutert und erklärt.  Ich sah nach diesem Kursteil viele Dinge, die mich bisher bei 400 Tauchgängen begleitet hatten, in einem neuen Licht.

Im nächsten Modul ging es um die Planung eines Tauchgangs. Wir lernten die Grundlagen der Tauchgangsplanung, die Gasplanung und verschiedene Gas-Strategien kennen. Es folgten Übungen zur Berechnung der Gasmenge, des Minimumgases und zahlreiche weitere Strategien um Tauchgänge sicher zu planen.

In den Beispielen wurde deutlich, wie uneinheitliche Flaschengrößen und unterschiedliche Atemgase die Komplexität eines Teamtauchgangs erhöhen. Die GUE Philosophie der „Standardisierung“ wurde schrittweise für uns immer logischer und nachvollziehbarer.

Am Nachmittag konfigurierten wir dann unsere Backplates, mit Blei, Tank- und Backuplampen und den Doppelflaschen. Sven optimierte die Backplate-Einstellungen an allen erforderlichen Stellen und nach und nach passte es immer besser. Wir machten Knoten mit Caveline, ersetzten Kabelbinder und justierten Boltsnaps neu. Obwohl ich seit zwei Jahren im DIR-Style tauche, fand Sven noch zahlreiche Optimierungs-möglichkeiten.

Nachdem alles richtig eingestellt war, ging es weiter mit Theorie und dem Thema Atemgase. Es wurde draussen dunkel und wir berechneten Sauerstoffgrenzwerte und lernten warum Nitrox32 das Standardgas bei GUE ist.

Am Abend endete unser erster Kurstag, ich war begeistert, hatte sehr viele neue Dinge gelernt und bekannte Dinge aus einer ganz neuen Perspektive kennengelernt.

Zufrieden, aber ziemlich geschafft, machte ich mich dann auf den Heimweg.

GUE Kurstag 2 

Nach erneut kurzer Nacht mit gutem Schlaf haben wir uns am Ostermontag im Schwimmbad „Monte Mare“ in Rheinbach getroffen. Pünktlich um 9:00 Uhr begann das nächste Theoriemodul. Mischgastauchen und Dekompression stand nun auf dem Programm. Zum Abschluss wurden noch typische Tauch-unfallszenarien und Wege zu ihrer Vermeidung besprochen.

Nun wurde es Ernst: Konni und ich mussten den Schwimmtest mit 275m in unter 14 Minuten absolvieren. Obwohl ich nie ernsthaft Schwimmen trainiert hatte, kamen wir locker deutlich vor der Zeit an. Hier zeigte es sich zum ersten Mal das GUE Teamsport ist: es zählt nicht wer als erster ankommt sondern das ganze Team. Der nächste Test war das Streckentauchen (15m ohne Flossen). Auch diese Übung war kein Problem für uns.

mareNun ging es endlich ans Tauchen. Bei sympathischen 32°C schlüpften wir in unsere Trockis und zogen unsere Ausrüstung an. Ich hatte bisher beim Anlegen des Wings immer etwas Hilfe von meinen Buddy gebraucht, mit den Tipps von Sven war ich nun in der Lage mich komplett selber anzuziehen 🙂

Im Wasser angekommen lernten wir das GUE-Briefing und den Bubblecheck kennen. Nach gefühlten 15 min tauchten wir dann erstmalig ab. Von nun an wurden unsere Bewegungen von einer Kamerataucherin gefilmt.

GUE3Flossentraining war nun angesagt. Frogkick, modified Frogkick,Flutterkick, modified Flutterkick, Helicopterturn, Rückwärtsschwimmen und weitere Varianten der bereits gelernten Kicks. Die Zeit verging im Flug. Meine Tarierung und mein Trimm waren aus meiner Sicht ganz ok und ich konnte endlich zeigen was ich draufhatte.

Bei jeder Runde zeigte Sven an, was noch nicht ok war: mal waren die Knie zu tief, der Kopf nicht hoch genug… es wurde langsam echt anstrengend. Einige Drills später gab Sven das Zeichen zum Auftauchen.

Überwasser ging Sven dann in aller Ruhe die Übungen mit uns durch. Mit vielen Tipps versehen ging es kurz darauf wieder ins Wasser. Die nun folgenden Drills waren anspruchsvoller, wie z.B. Gasspende, Maskenwechsel, Tauchen ohne Maske usw. natürlich immer frei schwebend und hoffentlich gut austariert. Inzwischen war es gut nach 19:00 Uhr und meine Kräfte und meine Konzentrationsfähigkeit schwanden mehr und mehr. Die letzte Drill-Übung auf 3m war dann ein echtes Disaster: weder wusste ich noch welche Drills wir in welcher Reihenfolge machen sollten noch war meine Tarierung ok. Ich fühlte mich wie ein echter Tauchanfänger. Platt und etwas frustriert tauchte ich auf.

Endlich Feierabend…. doch Sven hatte noch einen Programmpunkt. So ging es  nochmal ins Becken um mit fast leeren Tanks die Bleimenge zu optimieren. „Mein Bleimenge ist doch eigentlich in Ordnung“, dachte ich.
Nach der Übung hatte ich ein zwei kg Blei weniger …

Wir packten unsere Ausrüstung zusammen und verließen das inzwischen menschenleere Schwimmbad. Beim Abendessen zeigte Sven uns noch die Filme von den Übungen des Tages und erklärte im Detail was wir noch weiter verbessern konnten. Beim Film von der letzten Übung fiel ihm leider wieder ein, dass ich meine Tarierung als gut eingeschätzt hatte…. ok, auch der Punkt ging an ihn. 🙂

Kurz vor Mitternacht war ich dann zu Hause und fiel wieder tot ins Bett.

 

weiter gehts!

Knappe zwei Tage später ließ der Muskelkater wieder nach und ich beschloss noch eine zusätzliche Übungseinheit einzulegen bevor es am nächsten Wochenende in Panheel im Freiwasser weiter gehen sollte. Mit meinem Buddy Lars und einer GUE-Buddiene habe ich die wichtigsten Drills wiederholt und getestet ob die reduzierte Bleimenge auch im dicken Unterzieher passt. Die neue Bleimenge funktionierte tatsächlich. Ausgeruht klappte nun auch die Tarierung und der Trimm wieder wie gewohnt. Zuversichtlich sah ich nun auf die letzten beiden Kurstage.

Ich nahm mir fest vor mich nicht mehr so aus der Ruhe bringen zu lassen.
Ich war wieder sicher: ich kann das – Tag 3 konnte kommen!

 

GUE Fundamentale Erfahrungsbericht Teil 3

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