Sep 10

Erfahrungsbericht i.a.c. Tauchlehrerausbildung

Tauchlehrerausbildung

Da ich Tauchen als intensives Hobby betreibe, arbeite ich stets an der Verbesserung meiner taucherischen Fähigkeiten. Nachdem ich in 2016 den GUE Fundamentals und Anfang 2017 den CMAS *** erfolgreich abgeschlossen hatte, war nun die Tauchlehrerausbildung (TL* – scuba diving instructor) mein Ziel.

Aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen mit diversen Tauchverbänden (CMAS, IDA, PADI, SSI, GUE) entschied ich mich für eine Ausbildung beim international aquanautic Club i.a.c.

Als i.a.c. Tauchlehrer ist man in der Lage neben den i.a.c. Brevets auch CMAS-Brevets abzunehmen und auszustellen.

Die Ausbildungsstätte stand für mich fest: meine Heimatbasis bei Tauchen und Freizeit (TUF) in Wuppertal. TUF wirbt mit maßgeschneiderter Ausbildung und ist bekannt für eine gründliche und praxistaugliche Ausbildung.

 

Der Startschuss – April 2017

Bereits am ersten Abend im April 2017 machte Ausbildungsleiterin Anke Kuchem (course director) uns klar, dass die TL-Ausbildung sehr umfangreich ist und am Besten in Teamarbeit zu schaffen sei.

Der Kursplan sah in Summe über 20 Theorieeinheiten vor, für die Vermittlung der unterschiedlichen Fachgebiete  (z.B. Tauchmedizin, Physik, Biologie, Tauch-Technik, etc.) waren fünf verschiedenen Trainer vorgesehen.
Ich verabschiedete mich im Geiste für einige Monate von meinen freien Wochenenden…. 🙂

Tauchen findet bekanntlich im Wasser statt, daher hatten wir auch zahlreiche Praxisübungen. Die praktischen Übungen fanden in der Wuppertalsperre, in Panheel, in Widdauen und in Hemmoor statt.

Vom 1.-9. September war dann die finale Qualifikation in Hemmoor vorgesehen.

Die vollständigen Kursinhalte kann man auf der i.a.c. Webseite nachlesen, daher gebe ich hier in Auszügen meine eigenen Eindrücke wieder.

 

Tauchen kann ich doch, oder?

Aufgrund meiner bisherigen Tauchausbildung (über 500 TG im Logbuch) erwartete ich keine großen taucherischen Herausforderungen.

Bei den ersten Einheiten im Wasser wurde mir dann schnell deutlich, dass es ein gewaltiger Unterschied ist, die Übungen irgendwie hinzubekommen oder TL-mäßig souverän und für einen Schüler verständlich zu demonstrieren.

Bei einigen Übungen habe ich laut in meinen Atemregler geflucht, als ich beim Tauchen eines Navigations-Dreiecks-Kurses Schwierigkeiten hatte, den Kurs, die Tarierung, die Zeit und meinen Schüler gleichzeitig im Blick zu behalten. Männer sind eben doch nur eingeschränkt Multi-tasking-fähig.

TauchlehrerausbildungEine andere, bei uns sehr beliebte Übung ist der „Aufstieg ohne Flossen„.

Hierbei geht es darum, aus 25m Tiefe ohne Flosseneinsatz unter Einhaltung des korrekten Aufstiegstempos bis zum Sicherheits-Stop auf 5m aufzusteigen. Die 5m-Tiefe muss ohne Tiefenmesser geschätzt werden.
Der Inflator des Jackets darf bei dieser Übung nur zum Luftablassen benutzt werden.

Der Zweck dieser Übung ist es nachzuweisen, dass man in der Lage ist, sich komplett auf seinen Tauchschüler zu konzentrieren ohne permanent auf Instrumente zu schauen. Der Verzicht auf den Flosseneinsatz beruhigt ein Aufstiegsszenario ungemein.

Auch mit guten taucherischen Fähigkeiten, ist es schwierig, diese Übung auf Anhieb richtig zu machen. Ich habe dies Übung bei mehr als 20 Tauchgängen geübt, bis sie verlässlich gut funktioniert hat.

Ein weiterer Aspekt der praktischen Ausbildung ist das korrekte Briefing. In der Ausbildung wurde jeder Tauchgang mit einem vollständigen Briefing vorbereitet und

einem Nachbriefing abgeschlossen. Verglichen mit meinen bisherigen Briefings, habe ich mich auch hierbei deutlich verbessert. 🙂

Eine andere beliebte Übung war das korrekte Setzen einer Boje. Im Rahmen der praktischen Ausbildung wurde grundsätzlich am Ende eines Tauchgangs eine Boje geschossen.

 

 

 

Tauchtechnik und Physik

Im Rahmen der Tauchlehrerausbildung (beim TUF-Chef persönlich) lernten wir im Technik-Seminar unsere Ausrüstung aus einem neuen Blickwinkel kennen. Wir brachten Atemregler zum Vereisen und warteten sie anschliessend. Dabei lernten wir die Unterschiede zwischen membran- und kolbengesteuerten Atemreglern. Unsere Ausbilder brachten uns bei, kleinere Reparaturen selbst vorzunehmen.

Zwei Tage Tauch-Physik führten uns durch die Gesetze von Henry, Gay Lussac, Dalton, Archimedes und weiteren Gelehrten. Dieser Teil wurde vom TUF-Tekki Frank mit vielen Praxis Anekdoten gewürzt. Wir berechneten um wieviel bar der Flaschendruck im Sommer in einem PKW steigen kann und wie man aus mehreren halbvollen Tauchflaschen eine fast volle Tauchflasche machen kann.

Nach insgesamt zwei Wochenenden rauchte allen Teilnehmern der Kopf. Mein Verständnis für viele technische Details hat sich deutlich verbessert.

 

 

Rettung / HLW / Notfallszenarien

Ein weiteres Kapitel der Tauchlehrerausbildung war das richtige Verhalten in Notfällen. Dabei wurde der gesamt Prozess einer Rettung besprochen und praktisch geübt. Erster Punkt war das sichere Retten eines verunfallten Tauchers und der Transport ans Ufer. Wir lernten diverse Rettungsgriffe und spezielle Techniken kennen, um einen bewusstlosen Taucher auf einen Steg oder in ein Boot zu bekommen.

 

Herz-Lunge-Wiedebelebung (HLW) und der richtige Gebrauch eines Defibrillators wurden unter realen Bedingungen geübt. In Deutschland dauert es im Durchschnitt etwas 15 Minuten bis zum Eintreffen eines Rettungswagens.

Eine dauerhafte HLW für 15 Minuten durchzuhalten, ist eine sportliche und mentale Herausforderung.

Showdown in Hemmoor

Nachttauchgang

Mit bestandener Theorieprüfung fuhren wir Anfang September nach Hemmoor an den Kreidesee. Hier standen jeden Tag mindestens zwei Tauchgänge auf dem Programm, bei denen wir die Skills nachweisen mussten. Unsere vier Teilnehmer wurden von bis zu sechs Instructor-Trainern begleitet und gefilmt. Thomas Kromp nahm sich als Verantwortlicher der Tauchlehrer-Ausbildung beim i.a.c. die Zeit, die TL-Anwärter selbst im Wasser zu begutachten.

In Hemmor zahlte sich unsere lange, intensive Ausbildung aus: die Leistungen war insgesamt auf einem hohen Niveau so dass letztlich alle Kursteilnehmer ihre Urkunden erhielten.

 

Ich danke Anke Kuchem, Gunnar Brücken, Thomas Kromp, und  Frank Sondermann für die unermüdliche Unterstützung und die gute Ausbildung.

TauchlehrerausbildungEin herzliches Danke auch an Linda Weiss und Norbert Palm.

Meinen Kursbuddys Björn, Daniel und Jan danke ich für die Kameradschaft und die gegenseitige Unterstützung ohne die es viel schwieriger gewesen wäre.

 

3 Kommentare

    • Jan on 12. September 2017 at 23:22

    Uwe, das alles gemeinsam mit dir erlebt zu haben, war ein Fest! Beinahe schade, dass es auf Anhieb geklappt hat.

    Einen herzlichen Gruß von der Ostseeküste, Jan

    • Michael Mai on 11. September 2017 at 12:57

    Klasse Bericht. Da frage ich mich, wie manch ein Tauchlehrer zu einem Tauchlehrer geworden ist. Wenn ich das so lese, würde ich gar nicht erst den Versuch starten TL zu werden. Wenn ich mit so einem TL tauchen würde, dann würde ich mich total sicher fühlen und mich auf SKILLS mit ihm einlassen. Weiterhin alles GUTE und nachträglich herzlichen Glückwunsch zur bestandenen TL – Prüfung.

      • huey on 11. September 2017 at 15:19
        Author

      Hallo Michael, die Regularien für die Abnahme von Tauchlehrern sind innerhalb eines Verbandes einheitlich. Zwischen den Verbänden gibt es durchaus Unterschiede.
      Es gilt aber auch hier die Regel, dass es in erster Linie gute und weniger gute Ausbilder gibt. Den Unterschied macht sehr oft die Person die ausbildet, nicht der Verband.
      Unsere Ausbilder legen großen Wert darauf dass die TL die Anforderungen wirklich erfüllen. Das geht oft zu Lasten der Profitabilität da dann sehr schnell mehr Übungstauchgänge anfallen.

      Wir bieten auch abseits von Brevets Trainings an, um gezielt an einigen ausgewählten Schwächen zu arbeiten wie z.B. Trim, Tarierung, Aufstiege… melde Dich gerne bei Interesse.
      Herzliche Grüße, Huey

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